Aschermittwoch, 6. Februar 2008
Es war wieder so weit.
Der ursprünglich geplante Termin für die ambulante Untersuchung am 31.1. findet heute in Göttingen statt.
"Bringen Sie Zeit mit!" - so lautete die lapidare Aufforderung der Sekretärin als wir den Termin vereinbart hatten, denn es ging heute wieder um die Voruntersuchungen vor der nächsten Hochdosischemotherapie mit anschließender Stammzellentransplantation.
So fuhr ich rechtzeitig morgens los, um dann kurz vor 9 in einer noch recht leeren Onkoambulanz einzutreffen. Nach der üblichen Blutentnahme (mit -zig Röhrchen) schickte man mich erst einmal auf Untersuchungstour.
EKG, Lungenfunktionsprüfung und Herzultraschall waren dran. Alles ging wegen der frühen Uhrzeit wirklich schnell.
Beim Herzultraschall stellte man einen leichten Herzbeutelerguss fest, was aber wohl nicht schwerwiegend ist und evtl. auf eine durchgemachte Infektion hindeutet. Nun, jede neue Diagnose beunruhigt erst einmal, oder?
Wieder zurück ging es dann zum Arzt, der mir noch einmal erklärte, warum eine schnelle 2. Hochdosis in meinem Fall nötig sei. Die Immunglobulinwerte, die noch vor der 1. Hochdosis wieder im Normalen Bereich waren, hatten sich erheblich erhöht.
Dies kann auf eine weitere Progression des MM deuten oder aber eine positive Reaktion des Immunsystems sein. Die heutige Untersuchung soll zeigen, ob die Werte weiter steigen.
(Unsicherheit lässt grüßen!)
Auch sprachen wir wieder über eine evtl. allogene Transplantation, die ich mir eigentlich im Moment wegen der vielen möglichen negativen Auswirkungen weiterhin nicht vorstellen kann, zumal es dann auch nicht um eine Transplantation mit geringer dosierter Konditionierung (klingt gut, gell? heißt aber eigentlich auf Deutsch übersetzt: Chemo mit weniger Gift!) sondern mit der vollen Konditionierung (volle "Giftquote") einhergehen würde. Ganz zu schweigen von den GvH Reaktionen, wenn sich die neuen und alten Zellen nicht vertragen...
Es ist halt die Frage nach kürzerer oder längerer Überlebenszeit, nach Lebensqualität und Nebenwirkungen, die immer wieder neu abgewogen werden muss.
Dann muss man schlucken und es schleicht so eine unbenannte Angst auf, ob man will oder nicht.
Als mir dann auch noch gesagt wurde, dass der Termin vom 28.2. auf den 14.2. vorgezogen würde, war der Nachmittag mit vielen Gedanken gerettet.
Also wieder alles gerade Eingerichtete umändern, die Kollegen informieren, der Gemeinde es verklickern und selber mental sich umstimmen auf die 2. Hochdosischemo.
Alles nicht so einfach!
Motto: "Am Aschermittwoch ist nicht alles vorbei, sondern es muss halt umgedacht werden"
- eigentlich ein gutes kirchliches Datum für das Umdenken. Passions- (Leidens-)zeit parallel zum eigenen persönlichen Erleben. Spannend!
Ich brauch mir jedenfalls keine Gedanken machen, auf was ich verzichten werde in der Fastenzeit, das liegt vorher fest.
Kein Salat, keine Nüsse, kein frisches Obst, kein Alkohol, keine stark gewürzten, reizenden Speisen, nichts Rohes, kein Rohmilchkäse, keine echte Joghurt etc pp - wie gehabt!
Leute, ich werde die nächsten Tage nochmal all das essen, damit ich später weiß, wie es war, hihi!
Freitag, den 8. Februar 2008
Wenigstens mal eine gute Nachricht zwischendurch. Göttingen hat mir mitgeteilt, dass die Immunglobulinwerte wieder gesunken sind bei der Untersuchung am Aschermittwoch, also vorerst keine allogene Transplantation, sondern es bleibt beim 14.2. als Antrittstermin in Göttingen.
Witzig ist, dass mein ehemaliger Zimmernachbar P.Sch. vom November am 3.2. in derselben Station auch wieder erscheinen muss, allerdings muss er eine allogene Transplantation über sich ergehen lassen. Wir werden uns wohl nicht sehen, denn dann kommt man auf ein Einzelzimmer und ist total abgeschirmt. Ich drück ihm die Daumen!
Dafür werde ich heute Abend noch einmal einen Ausflug machen in meine ehemalige Heimat, um bei meinem damaligen Kegelclub mitzukegeln, bevor ich dann wieder für Wochen in der Klinik eingesperrt bin und auch danach erst einmal keine Kraft haben werde, um Ausflüge zu machen. Freu mich schon darauf!
Schließlich will das Leben gelebt werden, so gut es geht!
Motto: "Alle Neune!"
Die letzte Woche vor dem Klinikaufenthalt 9.2. bis 13.2.
Es ist mittlerweile Mittwoch spät nachmittags. Gleich werde ich noch an einem Männerkreis in der Gemeinde teilnehmen und dort auch ein wenig von meinem Leben mit der Krankheit erzählen. Heute morgen, am 13.2. konnte ich mich von den Kolleginnen und KOllegen der Pfarrkonferenz verabschieden. Das war gut! Viele gute Wünsche begleiten mich, machen Mut!
Tja und dann war ich nochmal ein wenig spazieren, wer weiß, wann das wieder geht!
Der Kegelausflug am letzten Wochenende war übrigens sehr schön! Und da die Sonne sowohl Samstag als auch Sonntag herrlich geschienen hat, haben wir einen Spaziergang gemacht, querfeldein. Für Geübte nicht sehr weit, für stammzellentransplantierte Pastoren ein RIESEN-Weg. Ergebnis: Ich lag abends um 18.15 Uhr im Bett und habe dieses bis zum nächsten Morgen nicht verlassen.
Montag, den 11.2. hielt ich noch einen Vortrag vor den hiesigen Landfrauen über Zentralafrika.Das hat Spaß gemacht, war aber auch recht anstrengend.
Tja, und nun heißt es morgen 8Uhr11 Abfahrt mit dem Zug aus Stadtoldendorf, Ankunft in Göttingen um 9 Uhr 08, Bus zum Klinikum und gegen 10 Uhr: Aufnahme in der Station Holland 01.23-- alles weitere dann von dort "live".
Motto: "Gift für den Krebs - Stammzellen für mich!"
Donnerstag, den 14.2.2008
Da liegt sie nun, die Online-Fahrkarte nch Göttingen und wird unbenutzt bleiben. Wieder mal 11 Euro in den Sand gesetzt.
Warum?
Nun, als ich gestern beim Abendessen saß kam ein Anruf aus Göttingen, dass man den Aufenthalt um eine Woche verschieben müsse. Mein Bett war nicht frei!
Da hat man sich mental gerade auf das Ganze einigermaßen eingestimmt, schon ist wieder alles anders. Nun gut, dann bleibt mir eine weitere Woche, in der sich mein Körper erholen kann von der letzten Behandlung.
Man muss halt wissen, dass die Planung der Transplantation nicht einfach ist, da die eigentliche Zuführung der Stammzellen entweder an einem Montag oder an einem Freitag stattfindet.
Und da es einen Vorlauf von 4 Tagen gibt, kann natürlich immer mal wieder eine Verschiebung auftreten.
Hier ein kurzer Auszug aus dem Telefongespräch mit dem zugegeben manchmal witzigen Arzt:
Dr.H.: Herr Melcher haben Sie Durchfall?
Melcher: Nee,(verdutzt dreinschauend), warum fragen Sie?
Dr.H.: Und sie wollen auch keinen kriegen, oder?
Melcher: (noch verdutzter) Ne, daran habe ich kein Interesse!
Dr.H.: Dann ist es besser, wenn Sie erst nächste Woche kommen, denn wir müssen einen Patienten isolieren und können sie da nicht ins Zimmer legen!
Melcher: Ach so, ja, klar, das versteh' ich. Zahlen Sie mir dann meine bereits gekaufte Fahrkarte?
Dr.H.: (Hüstel) Oh, das tut mir leid, das ist natürlich schade...
Melcher: Ist schon ok, dann sehen wir uns also nächste Woche um diesselbe Zeit?
Dr.H.: Ja. Bei Ihnen hatten wir doch bisher auch noch nicht verschoben oder?
Melcher: Na, nicht wirklich.
Dr.H: Dann bis nächste Woche! Auf Wiederhören
Tja, und so heißt es erst einmal ganz banal: weitermachen wie bisher
Motto: Fehlalarm gibt es nicht nur bei der Feuerwehr!
Dienstag, den 19.2.2008
Der Countdown läuft!
Am Donnerstag geht es ja nun wohl doch los, allerdings werde ich dieses Mal noch einmal nachfragen, ehe ich mich in die Startlöcher begebe.
Erstaunt bin ich immer wieder, wie viele Menschen doch hier auf diese Seite schauen und Anteil nehmen. Danke dafür!
Kleine Überraschung von gestern: Krieg ich doch eine Email von einer Cousine, zu der ich seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr hatte. Also auch für die Familienzusammenführung scheint so eine Homepage und eine Suchmaschine im Internet gut zu sein.
Ansonsten ist es eigenartig, wenn man mental bereits voll auf Krankenhaus eingestellt war und nun noch eine Woche warten muss. Auch wenn der Dienst weitergeht, ist es anders, als wenn man von vornherein weiß, dass es erst in einigen Tagen losgeht.
Meine Gedanken sind oft bei meinem Zimmernachbarn vom November, der seit dem 13.2. schon wieder in Göttingen ist und eigentlich gestern fremde Stammzellen bekommen haben müsste.
Geht es ihm gut? Wie verträgt er die Prozedur?
Tja, da ich selber weiß, wie es ist, wenn man auf guten Ausgang hofft und dennoch weiß, dass der Weg schwer ist, finde ich es wichtig, gerade dann an die zu denken und für sie zu beten, die man kennen gelernt hat.
Und noch etwas, was mich zugegeben aufgeregt hat:
Gestern kam in einem der privaten Fernsehprogramme eine Sendung über eine Familie, die sich ein ganz schönes Haus geleistet hat, das (Originalton) noch nicht einmal teuer war, "nur" 370.000€.
Ich dachte, ich spinne, als ich das hörte. Was da aktuell als "billig" angepriesen wird, ist ja wohl für den Großteil der Bevölkerung totaler Luxus.
Oder da zeigt man ein Pärchen, das eine neue Wohnung sucht und auswählt zwischen drei Wohnungen, von denen die eine ca. 900€ kalt kostet, die anderen beiden um die 750€ und die größte Sorge der beiden ist es, ob sie auch ein Wasserbett stellen können und ob das "Katzennetz", das die 4 hauseigenen Katzen am Weggehen hindern soll, auch auf den Balkon passt.
Warum ich das hier schreibe? - Nun, weil ich denke, dass viele sich mit Dingen beschäftigen, die mich als Kranken, der mit der Aussicht auf Nichtheilbarkeit umgehen muss, nicht nur traurig machen, sondern so manches mal auch böse werden lassen.
Wie viel unwesentlichen Quatsch gibt es?
Und wie viel Energie verwenden wir auf diese Dinge und dabei gäbe es Anderes, das zwischenmenschlich viel wichtiger wäre.
Na, ich hör lieber auf, sonst sinke ich noch auf Stammtischniveau ab, aber ärgern tue ich mich dennoch.
Für die kommende Zeit im Krankenhaus und die Wochen danach, wenn sonst nicht viel möglich ist, habe ich mir nun wieder etwas vorgenommen. Man muss ja Pläne haben!
Ich möchte unbedingt die Amateurfunkprüfung für ein deutsches Rufzeichen der Klasse E (wie Einsteiger) schaffen.
Das hab ich schon seit Jahren vor, allerdings hat mich der normale Arbeitsalltag immer daran gehindert.
Nun will ich es noch einmal versuchen, denn eigentlich war das mein schönstes Hobby in Zentralafrika, wo ich eine Funklizenz hatte, die aber hier in Deutschland nicht anerkannt wird, weil man dort keine Prüfung ablegen muss.
Also werde ich, so weit es kräftemäßig geht, in Göttingen mich mit Technik, Betriebstechnik und Vorschriften rund um Funkverkehr und Elektromagnetischer Verträglichkeit beschäftigen.
Und wer weiß, vielleicht kann ich ja dann im Frühjahr irgendwo meine Prüfung ablegen und mit einem DO-Kennzeichen "in die Luft gehen".
Motto: "Das beste Hobby ist dasjenige, das alle für nutzlos halten, weil es zweckfrei ist und deshalb gerade entspannt!"
Mittwoch, den 20.2.2008 - Wieder nix!
Irgendwo stand neulich in er Zeitung, dass Firmen bei Bewerbungsgesprächen vor allem Wert legen auf Teamfähigkeit.
Bei meiner Behandlung in Göttingen ist wohl doch eher Flexibilität gefragt, denn heute wurde mein "Einrücken" auf der Station erneut bis Montag, den 25.2. verschoben. Da hätte man eigentlich den ursprünglichen Termin vom 28.2. gleich lassen können.
Es ist den Mitarbeitern der Station sicher schon selber unangenehm, mich immer wieder vertrösten zu müssen, aber so langsam wird es doch zu einem mittelprächtigen mentalen Problem.
Da bin ich dann immer motiviert, dass es am nächsten Morgen losgeht, habe alles so weit organisiert und dann wieder nichts...
Nun denn, dieses Mal werde ich mich überhaupt nicht bei den Kolleginnen und Kollegen rühren, die mich vertreten, um nicht dauernd wieder alles Eingerichtete verändern zu müssen.
Ist blöd, aber geht halt nicht anders.
Das Gute an der ganzen Verschieberei ist wirklich, dass der Körper mehr Zeit hat, sich noch von der ersten Hochdosischemo zu erholen. Dann will ich mal dem Ganzen etwas Gutes abgewinnen.
Motto: "Gut Ding will Weile haben!"
Sonntag, 24.2.2008 - Es geht loooohos!
Gerade habe ich noch einmal in Göttingen angerufen. Es geht nun wirklich am Montag 25.2. los mit der 2. Hochdosischemo. Nicht dass ich so erpicht darauf wäre, diese anstrengende Behandlung zu machen, aber irgendwann soll es dann halt losgehen, damit es auch irgendwann endlich vorüber ist.
Also werde ich den Restsonntag heute noch genießen, meine 7 Sachen packen und dann morgen früh gegen 9.30 in Göttingen aufschlagen.
Bin gespannt, wer mein Zimmernachbar sein wird (für Leser, die schon länger hier mitlesen sei gesagt: Die Hoffnung auf einen netten Menschen ohne Schnarchgeräuche stirbt zuletzt!).
Mittlerweile bin ich auch etwas geübter im Packen.
Also, was packe ich ein, mal abgesehen von genügend Kleidung, die man auf der Station öfter wechseln sollte wegen der Infektionsgefahren.
Also:
1) einen MP3-Player bespielt mit Hörbüchern - wenn man keine Lust zum Lesen hat.
2) ein kleines Döschen Rinderbrühe für die Momente, in denen einem nichts mehr schmeckt.
3) Oropax - falls der Nachbar doch schnarcht
4) Bücher
5) Natürlich mein Lernmaterial für die Amateurfunkprüfung
6) Briefumschläge, Papier und Briefmarken, falls ich jemandem schreiben will.
7) Gottvertrauen abgepackt in kleinsten, mittleren und großen Dosen
8) Ein Großpack Geduld für die Tage nach dem Gift!
9) Humor, der sich nicht von Nebenwirkungen die Butter vom Brot nehmen lässt.
10) Adreßbüchlein
11) eine kleine Dose Sauerkraut für den etwas anderen Geschmack
Auch wenn Euch diese Zusammenstellung komisch vorkommt, sie ist sehr nützlich bei dem Vorhaben.
Ansonsten lass ich alles auf mich zukommen und hoffe halt, dass dieses Mal eine komplette Remission erreicht werden kann, die dann hoffentlich auch ein bisschen hält.
Und, wie gesagt, ich werde mich, wenn es einigermaßen geht, täglich hier melden, und Euch/Sie dadurch wieder Anteil nehmen lassen an meinen Tagesabläufen und Überlegungen.
Es hilft mir, die ganzen Dinge zu verarbeiten und Ihnen/Euch vielleicht auch.
Also dann - bis denn aus Göttingen.
Motto ist heute der Wochenspruch aus Lukas 9,62:
"Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reich Gottes!"
Also hoffnungsfroh nach vorn geschaut!
Montag, den 25.2. 2008 - 1. Tag auf Station
Seit heute morgen um 9.30 bin ich wieder auf der schon bekannten Station Holland in Göttingen. Es ist ein ganz anderes Gefühl der Vertrautheit, dieses 2. Mal zurückzukommen. Viel weniger Unsicherheit und einfach bekannte Ärzte, Schwestern und Pfleger, das hat was.
Nach dem EKG, einer Eingangsuntersuchung ging es nochmal zum Zahnarzt wegen des zugegeben schlechten Zahnstatus, den ich habe. Allerdings keine beunruhigenden Infektionsherde, also steht der Chemo nix im Weg.
Tja und kaum war ich vom Zahnarzt zurück, wurde in einer kleinen OP der zentrale Venenkatheder gesetzt, über den in den nächsten Wochen alles infundiert wird und auch Blut abgenommen wird.
Hat alles wunderbar geklappt, viel angenehmer sogar als das letzte Mal, ich habe so gut wie nichts gespürt. Und dann wieder Röntgenkontrolle, ob der Katheder gut sitzt.
Er war dann ein wenig zu lang drin und wurde um einen Zentimeter zurückgezogen, dann schön verbunden und nun werde ich sicher in dieser Nacht noch ein bißchen unbehaglich schlafen, aber morgen wird es besser sein.
Mittlerweile bekomme ich schon 1 Liter Flüssigkeit, damit die Nieren für das Gift morgen gut durchgespült sind. Heute Nacht dann noch einen Liter dazu.
Mein Zimmernachbar ist ein 70 jähriger, der jetzt 10 Tage nach Stammzelltransplantation doch recht "platt" ist. Wir werden uns vertragen, auch wenn er, wie ich heute Nachmittag merken durfte, zur schnarchenden Gesellschaft gehört. Wir werden sehen, ob ich mein Oropax brauche. Momentan hab ich noch gute Nerven, hihi.
So, das wärs für heute, kurz und knapp zur Info!
Motto: "Beim zweiten Mal ist alles leichter!"
Dienstag, 26.2.2008 - Tag -3
So, nun ist die erste Nacht vorbei. Von Durchschlafen keine Rede, denn ich bekam noch 2 Liter Infusionsflüssigkeit zum "Vorwaschen" bei 36,5 Grad - klingt doch fast wie bei der Waschmaschine, oder?
Nach den beiden Tagen heute und morgen, an denen ich hochdosiertes Melphalan erhalte, folgt dann am Donnerstag der "Hauptwaschgang", bei dem dann wieder versucht wird, so viel Gift wie möglich aus dem Körper zu holen.
Und, wie hast DU geschlafen, werden einige fragen. Nun, ich sage jetzt mal so viel: Mein Zimmernachbar schläft grundsätzlich im MOment auf dem Rücken...muss ich deutlicher werden?
Es erinnert doch stark an meine 2. VAD-Chemo mit dem kasachischen "Holzfäller", der nachts immer den halben Solling abgesägt hat.
Aber, und dieses ABER muss ich jetzt groß schreiben, es gibt diese wunderbaren kleinen Helfer, gelb, anschmiegsam, weich (Nein, keine Wellensittiche!), die man sich in die Ohren stecken kann. Dank dieser Ohrstöpsel konnte ich das Schnarchen in weitere Ferne verbannen und habe dann eigentlich recht gut geschlafen, so weit man das in einem Krankenhaus überhaupt kann, weil ja auch der Nachtdienst öfter mal ins Zimmer kommt oder der Zimmernachbar aufs Klo muss. Dafür war es aber eine gute Nacht und lässt auf weitere Gute hoffen.
In ca. 8-10 Tagen kann ich dann vetl. auch meinen ehemaligen Zimmerkollegen vom November/Dezember mal sehen. Er ist auch auf der Station hat aber eine Fremdspende bekommen und ist deshalb die ersten drei Wochen isoliert. Danach sollte es möglich sein, dass wir uns mal im Aufenthaltsraum treffen.
Heutiges Motto (nicht von mir)
"Humor ist HUmor, auch wenn keiner lacht!
Mittwoch, 27.2. 2008 - Tag -2
Einige werden sich gefragt haben, was das minus 2 beim Tag bedeutet. NUn, man rechnet den Tag der Stammzellenrückgabe als Tag 0 und zählt entsprechend die Tage vorher negativ und die Tage danach als positiv.
Tag minus 2 ist also der zweite Tag mit dem hochdosierten Melphalan. Die Dosierung wird an der Körperoberfläche festgemacht. Bei meinen 184cm Größe und xxxkg (mehr sag ich nicht!) Gewicht ergibt das 2,35qm. Rechenwütige mögen sich nun irgendwo die Tabellen für die Umrechnung besorgen und dann mitteilen auf welches Gewicht sie gekommen sind. Ihr sollt ja nicht nur Leser/innen sein, sondern auch mal rechnen, hihi.
Ihr seht, der Humor ist noch nicht vergangen.
Huete morgen hatte ich dann wieder eine rote "Chemobirne" - kommt wahrscheinlich vom Cortison oder dem Melphalan.
Zuckerwerte sind auch unterd em Cortison wieder gestiegen, aber noch im Limit und heute nachmittag werde ich wohl um die "Pinkelinfusion" nicht herumkommen, denn immer wenn über den Tag mehr als 2 Kilo Flüssigkeit aufgenommen bleiben, muss gegengesteuert werden. Danach kann man alle 10 Minuten zum KLo und abends ist meist das Gewicht wieder normal und das Herz entlastet.
So wird man langsam zum Spezialisten für den eigenen Körper und kennt die meisten Tricks der Ärzte.
Erwähnenswert das Essen von heute:
Spargelcremesuppe (wußte gar nicht, dass es im februiar Spargel gibt; aber das liegt wohl daran, dass ich als Koch gelernt habe saisonorientiert zu kochen)
Danach ein Topf voll Griesbrei mit Kirschen, Menge, würd ich sagen für 4 Personen. Die Hälfte habe ich geschafft und danach sogar noch die Erdbeergrütze (auch hier stimmt die Saison wohl nicht)
Na ja, aber war alles ok, Hunger hab ich eh keinen großen hier. Und ansonsten Trinken TRinken TRinken.
Gestern kam ich mit den Infusionen auf 5 Liter - das Gift soll halt so gut wie möglich wieder verdünnt ausgeschieden werden.
Ab sofort trage ich auch wieder den Mundschutz wenn ich das Zimmer verlasse, weil in den nächsten Tagen die Blutwerte runtergehen werden. Erst am Tag 7-9 werden dann die Werte (hoffentlich) wieder über 1000 Leukos sein, bis dahin geht es ins Tal. Das letzte Mal bis unter 20 Leukos (normal wären irgendwo um die 5000, damit ihr mal das Verhältnis seht.)
Ansonsten ist mein psychologischer Status recht gut, mal sehen, wie es in den nächsten Tagen wird.
Motto: "Frieden findet man manchmal schon durch Ohrstöpsel!"
Donnerstag, den 28.2.2008 - Tag minus 1
Der Countdown läuft, morgen ist Stammzellenrücktransplantation, ehute Waschtag, also 2 Liter Flüssigkeit mit einigen Anteilen Kalium und Magnesium, ausserdem das letzte Mal Dexamethason (8mg), Ement und Zofran, damit einem nicht übel wird.
Leider dadurch auch wieder Verstopfung - auch normal bei mir. Jetzt muss ich dagegen dieses wunderbare weiße Anmischpulver Macrogol nehemn, das am Anfang nach Orange-Zitrone -Limette schmeckt und dann den faden Nachgeschmack hinterherschickt.
Geschlafen hab ich relativ gut, von 22.30 bis 5 Uhr durchgehend, danach erst eine Stunde wachgelegen, dann wieder bis kurz nach 7 geschlafen und dann ging das Morgenritual los. Wieder sind die Reinigungskräfte manchmal nervbenaufreibender, weil sie halt ziemlich viel rumschieben und hochheben und absetzen müssen, so dass ein permanenter Lärm in den sonst sehr sehr ruhigen Alltag schwappt. Bin danach immer ziemlich geschafft. Können zwar die reinigungskräfte nichts dazu, aber man merkt doch wie neben den Blutwerten das Nervenkostüm abgebaut wird.
Gut dass es auch psychoonkologische Betreuung gibt, bei der man auch diese Dinge ansprechen kann. Wie bei vielem liegt auch hier wieder der Schlüssel zur Änderung im Aussprechen.
Mittlerweile haben sich auch einige getraut anzurufen. Ist eine schöne Abwechslung, auch wenn ich natürlich manchmal hier im Aufenthaltsraum bin und deshalb nicht jkeder Telefonanruf gleich entgegengenommen wird.
Danke an alle, die an mich denken, ich tue das von hier aus auch, da ich ja jetzt viel Zeit dafür habe.
Gott befohlen für heute. Ich weiß nicht, ob ich heute noch was reinschreibe, aber morgen nach der Transplantation sicher wieder. Und wenn einmal wzei Tage nichts Neues kommt, dann bin ich wahrscheinlich zu schlapp oder hab Durchfall oder sonst irgendetwas---- oder einfach keine Lust, das gibt es ja auch.
Motto: "In der Ruhe liegt die Kraft!"
Freitag, den 29.2.2008 - Tag 0 -
oder der Tag, den es nur alle vier Jahre gibt.
Heute ist es so weit, ich werde die tiefgefrorenen Stammzellen zurückbekommen. Bin gespannt, wie es diesmal wird. Es handelt sich ja um eine Infusion von 85ml Stammzellpräparat und daneben einer NaCL-Lösung. dabei kann es am Anfang zum Abatmen des Kühlmittels zu Reaktionen kommen, aber beim letzten Mal war das in 1 Minute vorbei. Etwas Übelkeit, sonst nichts weiter.
Die Infusion wird mit sehr kaltem Transplantat gemacht, deshalb kann es auch kurzfristig zu Schüttelfrost kommen...kann, muss nicht!
Geschlafen hab ich relativ gut wieder, natürlich mit den obligatorischen "Pinkelpausen", dafür waren es heute morgen wieder 2 KIlo wenigr auf der Waage.
Gegen 5 Uhr kam der Nachtdienst wegen meines Zimmernachbar herein, da war ich eigentlich schon überzeugt, es sei nach 7 Uhr. Nun ja, die restlichen zwei Stunden hab ich dann auch noch genossen.
Jetzt bin ich gerade 3 MInuten auf dem Ergometer gewesen und mache nun in der größtmögliochen Normalität meine "Computergeschäfte"!
Normalität im Unnormalen ist wichtig. Abläufe, die fast schon rituell auch ein wenig ablenken von den vielen Fragen, die natürlich dennoch da sind und die meist das betreffen, was wir als Menschen sowieso nicht in der Hand haben, nämlich die Zukunft.
Hauptsache diese bleibt offen! Also mit Möglichkeiten rechnen und nicht nur in Unmöglichkeiten untergehen.
In den nächsten tagen werden dann die Blutwerte wieder absacken und ich bin gespannt, wie weit ich meine Aktivitäten halten kann oder wie ich reduzieren muss.
Na, ich halt Euch auf dem Laufenden.
Tag 0 ist ab heute angesagt, bis Tag 7 geht es bergab und dann hoffe ich, dass bis Tag 11-12 die Leukozyten (also die Abwehrkräfte) wieder angestiegen sind und dass in diesen Tagen nicht allzuviel Nebenwirkungen auftreten. Aber da wir hier gut überwacht werden wird man schon rechtzeitig reagieren.
Trotzallem bleibe ich hier im Moment ein "Blähboy", der noch die Toilette schont...weiter sag ich nix.
Motto: "Tag 0 - <am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und die Erde war wüst und leer> - und es ist danach etwas Wunderbares geworden"
Jetzt sind sie drin, die eigenen Stammzellen. Die Transplantation hat gut geklappt bisher. Noch trage ich einen portablen Monitor der Herzfrequenz mit mir herum, weil es manchmal Rhytmusstörungen geben kann. Insgesamt atme ich jetzt "Bärlauch-Geruch" ab. Das liegt am verwendeten Frostschutzmittel in dem eingefrorenen Präparat. Ich selber rieche es schon nicht mehr, aber wenn man ins Zimmer kommt, käönnen andere das dann als entsprechenden Geruch riechen.
Ein wenig schlapper macht diese Prozedur und nun heißt es schön wegen der Infektionen aufpassen in den nächsten Tagen.
Das heißt dann halt auch, dass ab jetzt bis Tag 7-10 Besuch von außen etwas schwieriger ist. Also bitte das Telefon benutzen. Wenn die Leukozyten wieder auf normaleren Höhen sind, sage ich Bescheid.
Auch diesmal konnte ich voller Vertrauen diese Prozedur über mich ergehen lassen und hatte wieder viel Spaß mit DR. M. während der Übertragung.
6 Mal wurde insgesamt geprüft, dass ich auch wirklich die richtigen Zellen bekomme und auch ich selber durfte mich noch einmal vergewissern, dass es der richtige Beutel war.
Alles andere wäre eine Katastrophe, wenn man fremde Zellen einfach so bekäme. Gut, dass dies alles so überprüft wird, es beruhigt.-
So, nun geh ich wieder in mein Zimmer und werde auf dem Rückweg noch einen Tee kochen, damit weiterhin genug Flüssigkeit zugeführt wird.
Motto 2: "Abwarten und Tee trinken!"