Mit dem Krebs im Gespräch

Freitag, 17. Oktober 2008


Manch einer mag sich gewundert, gesorgt oder einfach gefragt haben, warum hier nichts Neues gestanden hat. Der Grund liegt einfach darin, dass ich Urlaub hatte und nicht am Computer war. Seit gestern bin ich wieder zurück. Über eine Woche habe ich in meiner alten Heimat, dem Odenwald verbracht, und dort eine kleine Wohnung auf Vordermann gebracht.

Bei so einer Renovierungsmassnahme werden zwar die Grenzen immer wieder bewusst, aber es ist doch erstaunlich, dass das alles wieder geht.

Mitten in diesen Tagen, am 13.10. habe ich dann einen kurzen (420km) Ausflug nach Göttingen gemacht, um die erste Spritze des 4. und damit letzten Zyklus verabreicht zu bekommen und bin dann danach wieder in den Odenwald gefahren. Also 840km, eine Spritze für 1275,- Euro und der Urlaub geht weiter...nicht schlecht (ich gebe aber zu, dass das mal wieder etwas anstrengend war), ich war allerdings wohl der an diesem Tag am weitesten angereiste Patient in der IKO (Interdisziplinäre Kurzzeitonkologie) in Göttingen.


Leider hatte man die Blutröhrchen irgendwie zuerst nicht an die richtige Stelle im Labor gebracht, was dann eine um 1,5 Stunden längere Wartezeit bedeutete. Aber auch das läßt sich ja ertragen.

Nun werde ich wohl um den 20.10. einen Arzttermin mit meinem Onkologen in Göttingen haben, bei dem das weitere Vorgehen besprochen wird und dann heißt es wohl in den nächsten Monaten mal eine absolute Zahnrenovierung beginnen.

Mein Mundraum gleicht eher den Burgruinen im Neckartal als einem funktionierenden Gebiß...bsher habe ich halt noch gewartet, weil ich keine Nebenwirkungen der Zahnbehandlung mit in die Studie eintragen wollte.

Aber bald muss es losgehen. Ich wollte dann doch gerne mal wieder etwas Hartes kauen und nicht nur schlucken - klingt etwas zu kraß, aber ist nicht ganz unrichtig.

So, und jetzt muss ich erst einmal los zu eienr Sprechstunde und einer kleinen Wochenschlußandacht.


Motto: "Aus Ruinen ist schon so manches wieder erstanden!"


Dienstag, 21.10.2008


Der Tag danach - es ist wieder Dienstag, die Beine fühlen sich an wie nach einer Mt. Everestbesteigung. Muskelkaterähnliche Gefühle, leicht schmerzende Gelenke, das sind wohl halt die Nebenwirkungen von Velcade, da lässt sich wenig dran ändern, auch wenn die Dosis ja nun schon reduziert worden ist. Gut, dass es jetzt nur noch 2 Termine sind, bis die Studie in der aktiven Phase beendet ist. Am 16.12. ist dann der Abschlußuntersuchungstermin, dann werde ich wahrscheinlich wieder die Freuden eines EKG und eines Ultraschalls erleben, mal sehen.

Gestern kam der Taxifahrer sehr sehr früh. Es war ein Angestellter des "Chefs", der das erste Mal hierher gefahren ist. Deshalb war ich schon 45 Minuten vor der eigentlichen Zeit in Göttingen, was natürlich für eine Currywurst gereicht hat, aber ich muss sagen, sie hat mir nicht mehr geschmeckt. Der Reiz ist weg...

Ansonsten lief alles nach Plan diesmal, auch die Wartezeiten waren nicht übermäßig lang, nette Gespräche mit der Studienleiterin und einer Ärztin.

Der Krankenpfleger hat beim Anstechen des POrts gerade noch rechtzeitig gemerkt, dass er statt einer 19mm Portnadel eine 25mm Nadel in der Hand hielt. Irgendjemand muss mit geschlossenen Augen die Nadeln in die falschen Behälter eingeordnet haben. Holzauge sei wachsam!

Es hätte zwar nicht viel passieren können, aber es ist blöd, wenn die Nadel dann zu weit heraussteht. Dann hat der Port erst wieder gestreikt und nur tröpfchenweise Blut gespendet, aber nach einigem guten Zureden mit NaCL und Heparin lief es wieder wie immer.

Ich kann nur immer mal wieder sagen, was für eine segensreiche Erfindung so ein Ding ist, wenn es keine Schwierigkeiten macht.

Dieser Krankenpfleger gab mir dann auch gleich das Motto für heute mit, indem er zu einem Ziwi sagte: Du weißt ja, hier gilt die Devise von Toyota!

Fragendes Gesicht.

"Na, nichts ist unmöglich!"

Breites Grinsen allüberall!


Nun werde ich diesen Tag heute irgendwie rumkriegen. Heute Nachmittag ein Trauergespräch, dann kommen zwei Pilger, die auf dem Pilgerwanderweg von Loccum nach Volkeroda wandern und bei uns übernachten wollen und abends Kirchenvorstand.

Dann reicht es wieder für den Dienstag.

Wohlweislich habe ich eine andere Beerdigung bereits gestern vorbereitet, so dass sie mir heute nicht auf der Seele liegt.

Nächster Chemoterrmin ist nun der 30.10., das ist ein Donnerstag, ausnahmsweise, weil ich von Sonntag bis MIttwoch mit meinem ehemaligen Kegelclub nach Wien fliegen darf! Freu mich schon sehr darauf!


Motto: "Nichts ist unmöglich!"