Freitag, 13.2.2009
Man weiß es zwar, aber wahrhaben möchte man es nicht - das Immunsystem ist eben doch angeschlagen und kann sich nicht aller Störenfriede erwehren.
Nachdem ich schon zweimal in den letzten Wochen mit Husten und Schnupfen zu tun hatte und diese Symptome noch mit pflanzlichen Schleimlösern etc in den Griff bekam, musste ich nun die Waffen strecken.
Gestern wurde eine rechtsseitige Lungenentzündung diagnostiziert, die mich nun erst einmal mindestens eine Woche aus dem Verkehr zieht.
Ich nehme ein hochdosiertes Antibiotikum, das auch nach der zweiten Einnahme bereits anzuschlagen scheint. Gut, dass dies wenigstens funktioniert.
Insgesamt bin ich aber sehr schlapp und wandle mal wieder zwischen Bett und Stuhl hin- und her, eine bekannte Bewegung aus der Nach-Transplantationszeit.
Noch in der letzten Woche musste ich einen 14-jährigen Jungen beerdigen, der an einer Komplikation im Rahmen einer Lungenentzündung verstorben war. Also zu spaßen ist mit dem Ganzen nicht.
Beruflich müssen nun wieder Kollegen einspringen, zumal einige Amtshandlungen (Beerdigung, Taufen etc) anstanden, die ich nun nicht machen kann. Aber Dank der großen Bereitschaft, ist das kein Problem. Außerdem gibt es ja auch keine Alternative.
Immerhin darf ich jetzt bereits auf fast ein Jahr nach der letzten Hochdosischemo zurückblicken und bin dankbar für die geschenkte Zeit. Und auch die Tatsache, dass ich bereits seit dem 2. Mai 2008 wieder am Arbeiten bin, ist ja nicht selbstverständlich.
Nur ist es halt in meinem Beruf so schlecht möglich, den Menschenkontakt zu reduzieren, der gerade in Zeiten der Grippe und der Erkältungskrankheiten ja ein erhebliches Risikopotential bietet.
So, mehr ist heute nicht möglich, ich werde mich jetzt wieder in die Horizontale begeben und hoffen, dass es bald wieder besser geht.
Motto:
Wenn es im Brustkorb rattert und pfeift,
Pneumonia in die Tasten greift.
Dienstag, den 17.2.2009
Gestern war ich wieder beim Arzt zur Kontrolle und ging mit einer verlängerten Krankschreibung bis zum 1. 3. wieder nach Hause. Uff - ganz schön lang, aber mein Hausarzt ist sich der Problematik einer Lungenentzündung im immungeschwächten Körper durchaus bewusst und will nichts riskieren.
So muss ich also wieder andere einspringen lassen und hoffe, dass ich dann wirklich nach dem 1.3. wieder fit bin und weitermachen kann. Verschleppen will ich dies alles nicht.
Erst vor zwei Tagen stand wieder eine 17-jährige unter den Todesanzeigen- ebenfalls mit Komplikationen nach Lungenentzündung. Es ist nicht mit zu spaßen.
Ich liege zwar jetzt nicht mehr den ganzen Tag im Bett, aber ich bemerke doch, dass der Körper auf langsam gestellt hat. Das erinnert mich schwer an die Zeiten, als ich noch nicht einmal Lust hatte, ein Buch zu lesen.
Ähnlich geht es mir auch jetzt. Einfach die Seele baumeln lassen und da sein, mehr geht nicht.
Der Arzt meint, ich könne auch mal einen Spaziergang machen, dürfe aber nicht schwitzen dabei, also auf keinen Fall irgendeine Überanstrengung in Kauf nehmen.
Damit verbieten sich auch so manche Aktivitäten im Haus wie Aufräumen etc pp.
Nun denn, also wieder einmal die Geduldkarte einlegen und warten.
Der Husten ist weniger geworden, ich inhaliere regelmäßig mit Salzwasser und nehme meine Antibiotika ein.
Und ich nehme erneut wahr, wie bescheiden das deutsche Fernsehprogramm ist. Kein weiterer Kommentar.
Motto:
fällt mir auch keins ein
Freitag, den 20.2.2009
Die Nächte sind hustenfrei, nur wenn ich viel rede (was ja vorkommen soll), spüre ich noch den Hustenreiz. Das fiel mir gestern bei einem längeren Telefonat auf. Ich könnte auf keinen Fall im Moment meine zwei Gottesdienste hintereinander gestalten, da würde die Stimme wohl nicht mitspielen. Es hat schon seinen Grund, warum der Arzt einen länger krank schreibt
So vergehen die Tage damit, dass ich morgens trotz allem am Schreibtisch sitze und so manche Mail-Schulden begleiche oder aber auch kleinere Sachen für die Gemeinde erledige. Das ist ja nun wirklich kein Problem, aber im Laufe des Tages braucht es doch noch recht viele Ruhepausen. Außerdem achte ich darauf, nicht zu spät ins Bett zu kommen.
Bin jedesaml wieder begeistert von dieser Erfindung des Bettes und denke dann an die vielen Leute, die ich in Afrika kennengelernt habe, die die Nächte und dann eben auch die kranken Momente auf einer dünnen Schilfmatte auf dem harten Boden verbringen müssen.
Meine Zahnsanierung wird nun auch erst einmal wieder etwas verschoben, erstens weil ich noch nicht alle Kostenträgerzusagen habe und außerdem weil ich mit gerade überstandener Lungenentzündung nicht gleich wieder eine umfangreiche Zahnop ertragen möchte.
Außerdem weiß ich gar nicht, wie ich die Eigenanteile der zahnprothetischen Behandlung zahlen soll. Wenn ich richtig überschlägig gerechnet habe, werden das mindestens 2300€ sein. Also etwa doch Lotto spielen?
Oder bei der Bundesregierung einen Zuschuss aus dem Konjunkturpaket für verarmte Banken beantragen. Was sind schon 2300 Euro angesichts von 1 Billion außerbilanzmäßiger Kreditgeschäfte ---grrrr!
Ich bin jedes Mal wieder begeistert, wenn meine Bank schon nach 2 Tagen im Anschluss an einen Kredittermin bei mir anruft und mich daran erinnert, dass ich wohl vergessen habe zu zahlen. Aber selber Milliarden abschreiben...
Ihr seht, ich bin nicht gut auf unsere Bank-Mafia zu sprechen.
Ach ja, da fällt mir noch eine schöne Begebenheit ein.
Neulich sassen wir mit einigen Freunden beim Essen.
Irgendwann ging es um Tierkreiszeichen.
Was bist Du denn? - ihr kennt die Frage.
Sagt eine Bekannte: Ich bin Krebs!
Oh, sagt da eine andere: Ich bin auch Krebs!
Sage ich: Und ich hab Krebs!
Ihr hättet mal die Gesichter sehen sollen.
Alle wollten so gerne lachen, keiner traute sich.
Dann haben wir aber dennoch gelacht.
Alle waren erstaunt, über diesen, zugegeben, etwas frechen Umgang mit der Krankheit. Aber da es ja von mir selber kam, wurde es dann auch toleriert.
Hat mir nur noch einmal gezeigt, wie das Thema an sich die Stimmungen verändert (siehe Anfang dieser Homepage). Aber ohne eine gewisse Frechheit und Satire wird man wohl damit nicht umgehen können.
Motto:
(frei nach Heinz Ehrhard)
Lasst uns dem Müll eine Abfuhr erteilen!
Donnerstag, den 26.2.2009
Gerade komme ich vom Arzt, der zufrieden ist mit meiner Lunge. Ich darf also wieder arbeiten ab Montag. Dann reicht es mir auch mit dem MÜßiggang. Ich werde zwar nicht gleich wieder voll loslegen können, dazu bleiben die mittlerweile "natürlichen" Grenzen bestehen, aber ich denke ich kann dann wieder einigermaßen normal meinen Dienst tun.
Denn wenn man nur zu Hause ist und eigentlich nur zu kurzen Spaziergängen die Wohnung verlässt, ist das auf die Dauer auch nicht so schön. Ich habe zwar einiges an administrativen Dingen regeln können, brieflich, was ich immer schon mal machen wollte, aber das wird auf die Dauer auch langweilig.
Außerdem habe ich noch nie so viel Wintersport im Fernsehen verfolgt wie in diesen Wochen des Krankseins. Auch nicht schlecht.
Gestern bin ich dann einfach mal ins nächste Dorf gefahren zu den Schlachtern und habe mich mit diversen Fleischstücken eingedeckt und habe abends diverse Gerichte vorbereitet, die dann eingefroren werden, um mal etwas Schnelles, Gutes zu haben, wenn keine Zeit zum Kochen ist.
Schön ist, dass die Tiere bei den Schlachtern aus nächster UMgebung kommen und also nicht von "irgendwoher". Das ist ein Qualitätsmerkmal, das selten geworden ist.
Um Euch das Wasser ein wenig im MUnde zusammen rinnen zu lassen:
Rinderrouladen in schöner Rotweinsauce, Schweinegulasch für Szegediner Gulasch (mit Sauerkraut versetzt), dann für abends Nieren in Basilikumsauce (die isst allerdings ausser mir hier niemand, hi) und jetzt muss ich nur noch die beabsichtigte Brühe kochen mit einem netten Stück frischem Rindfleisch plus Knochen, dann ist der Tiefkühlschrank voll und ich bin gut zufrieden.
Die Tatsache, dass das schon wieder Spaß macht zeigt mir, dass ich wieder gesünder geworden bin.
Hier noch eine nachdenkenswerte Geschichte, die mir ein befreundeter Funkamateur zuschickte:
Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln
hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug.
Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle
Portion Wasser fasste. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau
war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.
Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln
Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung,
aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt,
dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.
Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der
alten Frau: "Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu
deinem Haus immer Wasser läuft."
Die alte Frau lächelte. "Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen,
aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht?" "Ich habe auf deiner Seite des Pfades
Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag,
wenn wir nach Hause laufen.
Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit
schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht
existieren und unser Haus beehren."
Jeder von uns hat seine ganz eigenen Macken und Fehler, aber es sind die Macken und
Sprünge, die unser Leben so interessant und lohnenswert machen.
Man sollte jede Person einfach so nehmen, wie sie ist und das Gute in ihr sehen.
Also, an all meine Freunde mit einem Sprung in der Schüssel, habt einen wundervollen Tag
und vergesst nicht, den Duft der Blumen auf eurer Seite des Pfades zu genießen
Motto:
Ich wünsch Euch einen Sprung in Eurer Schüssel!