Mit dem Krebs im Gespräch

Freitag, den 10.7.2009


Urlaub ist schön.

Getreu dem Motto: Im Urwald gibt es viel Urlaub habe ich in den letzten 10 Tagen den Urwald im Garten meines Elternhauses in Eberbach etwas bekämpft.

Da mein Bruder seit dem letzten Jahr wohl nichts mehr in diesem Garten gemacht hat, könnt Ihr Euch vorstellen, wie solch ein verwildertes 756qm Grundstück dann aussieht, vor allem wenn dort Brombeeren wachsen.

Ich habe mir schließlich eine Motorsense gekauft und bin dem Ganzen zu Leibe gerückt. Dabei habe ich mehrere Dinge festgestellt:


1. ich bin zu fett! und deshalb zu schnell, aus der Puste


2. bei 30 Grad im Schatten sollte man bei 70 % Luftfeuchte nach zwei Stammzellenstransplantationen nicht erwarten, dass man 5 Stunden arbeiten kann. Nach 1-2 Stunden war ich k.o. und froh darüber, dass es eine Dusche und ein Bett gab.


3. Trotz der Anstrengung war es ein gutes Zeichen, was alles nach all den Chemos doch noch möglich ist und wie der Körper bei aller Begrenzung doch immer wieder Kraft findet.


Mein Tagesablauf sah etwa so aus:

Aufstehen - gemütlich frühstücken - zwei Stunden freischneiden und schreddern - ausruhen - wieder 1-2 Stunden in den Garten - duschen - ausruhen.

Also, um es kurz zu machen, eine gute Abwechslung zu meiner normalen Schreibtischarbeit.

Es ist zwar nicht viel passiert in diesen Tagen im Odenwald, aber es war dennoch schön, auch weil ich einige Freunde nach vielen Jahren wieder getroffen habe.


Am Schönsten war aber ein eigentlich ganz banales Erlebnis.

Ich war seit 2 Jahren mal wieder in einem öffentlichen Schwimmbad. Ich hatte mich nach den Transplantationen da zunächst zurückgehalten wegen der möglichen Infektionen mit Pilzen etc.


Aber nachdem auch der Arzt grünes Licht gegeben hat, war es ein mehr als göttliches Erlebnis nach einem harten Arbeitstag im Garten unterzutauchen in den klaren Fluten des angenehmen Schwimmbadwassers in meiner Heimatstadt.


Auch wenn es ein wenig überdreht scheint, es war wie ein Neu- Geboren-Werden, ein Eintauchen in paradiesische Zustände, oder, um es einfach zu sagen:

ich war glücklich über dieses kleine Erlebnis, was man vielleicht als "normaler" Gesunder so nie wahrnehmen würde.

Da wurde mir dann auch wieder deutlich, wie stark sich doch Wahrnehmungen verändern, wenn man sie nie mehr ALS SELBSTVERSTÄNDLICH, SONDERN IMMER ALS EIN GESCHENK BETRACHTEN KANN.


Nun werde ich die letzten Tage meines Urlaubs zu Hause verbringen und einfach die Seele baumeln lassen und versuchen, ein wenig Ordnung in das immer noch bestehende Chaos von Kisten zu bringen, die seit meinem Herzug hierher gar nicht oder nur in Teilen ausgepackt wurden.

Vieles braucht man nicht mehr und will es doch nicht wegschmeißen, weil Erinnerungen damit verbunden sind, aber wenn man sich die Dinge mehrmals angeschaut hat, wächst dann auch der Mut zum Wegschmeißen.


So weit für heute. Meine Sekretärin verabschiedet sich heute in den wohlverdienten Urlaub, den ich ihr auch von Herzen gönne. Hoffentlich hat sie in Dänemark schönes Wetter.


Ach ja, und Kirschen habe ich eingekocht gestern Abend. Die 4 Kirschbäume (alles andere Sorten), die auf dem Pfarrgrundstück stehen, sind übervoll und leider so hoch, dass man nur einen verschwindend geringen Teil pflücken kann. Aber lecker ist das Ganze!


Motto:

Mit mir ist heute gut Kirschen essen!




Sonntag, 19.7.2009


Es ist immer ein wenig Wehmut dabei, wenn der Urlaub zu Ende geht, aber es nützt ja nichts. Morgen holt mich die normale Dienst-Realität wieder ein und dann werden wir sehen, was ganz schnell erledigt werden muss und welche Wunder etwas länger dauern.

Ich weiß, dass einige Dinge unmittelbar gemacht werden müssen und muss morgen dann erst einmal sehen, wo und was das ist.


In den letzten Tagen habe ich ausgiebig meinem neuen (alten) Hobby gefrönt und neben einiger Bastelei an Funkgeräten und Zusatzeinrichtungen gelernt, wie man mit einem Handfunkgerät umgeht, wenn man zunächst keine Beschreibung hat und dann lernen muss, wie die auf den Knöpfen vereinigten drei Belegungen jeder Taste aktiviert werden. Man entdeckt dann laufend Neues. Mittlerweile habe ich eine Beschreibung, was doch erheblich einfacher ist, hi.


Aber langsam im Text.

Am Mittwoch war Besuch hier - drei Funkamateure, davon zwei aus meinem Funkverein Conveniat (ihr erinnert euch, der Funkclub der Funkamateure in kirchlichem Dienst). Es war ein gutes Treffen mit leckeren Rouladen, die ich gekocht habe und viel Fachsimpelei über das Funken aber auch über die Zukunft unserer ökumenischen Funkvereinigung, über Funkrundenzeiten und Vereinsbriefe etc pp. Wahrscheinlich werde ich jetzt im Vorstand des Vereins mitmachen, damit wir eine paritätische Bestzung mit je 2 kath. Priestern und 2 ev. Pfarrern haben.


Am Schönsten aber war das Basteln an einem Gerät, das mir in Afrika einmal ein amerikanischer Kollege geschenkt hatte. Es handelt sich um einen fernbedienbaren elektrischen Antennenumschalter. Dann braucht man nur ein Kabel in den Funkraum hereinführen und schließt die Antennen an der Umschaltbox an und kann dann per 12V Relais die Antenen umschalten.

Auf der Box war ein Aufkleber in Englisch: "Ich habe dieses Gerät von 10 V auf 12 Volt umgestellt. Alles geht ausser den Lämpchen."

Nun gut, eine klare Ansage, aber es ging halt nichts, wenn ich 12 Volt anlegte.

Also kurzerhand aufgeschraubt und siehe da, das scheinbare Stromkabel ging hinein und kam unverbunden wieder heraus, nur in anderer Form.

Ich habe herzlich gelacht und musste dann erst einmal das Anschlussschema studieren, um die 12 Volt Kabel richtig anschliessen zu können. Jetzt geht alles und ich werde das Gerät bei nächster Gelegenheit installieren und dann kann ich unter dem Dach auf dem Dachboden noch 1-2 Antennen auspannen und auf anderen Frequenzen funken. Das ist das Schöne bei diesem Hobby, dass man eigentlich immer ein Projekt hat, das nicht unbedingt viel Geld kosten muss.


Noch eine Bemerkung zu dem Handfunkgerät. Ich habe es am Mittwoch geschenkt bekommen und bin B. sehr dankbar dafür. Erstens kann ich auf diese Weise hier in der näheren Umgebung Kontakte aufbauen, auf der anderen Seite ist es das alte Handfunkgerät eines Funkamateurs, der mich über 10 Jahre in Zentralafrika wohlwollend begleitet hat und mit dem ich jede Woche montags gesprochen habe. Er ist vor einigen Jahren verstorben und B., der seine Geräte geerbt hatte, hat mit nun seinerseits dieses Gerät vermacht. Eine schöne Geste, die mich sehr freut.


Gesundheitlich keine Neuigkeiten, außer dass ich meine Zahnarztrechnung bekommen habe für die prothetischen Arbeiten. Man kann davon einen VW-Polo kaufen! 9800€ und ich werde wohl auf 2800 Euro sitzen bleiben, wenn die Beihilfe sich nicht noch ein wenig bewegt. Da hält man so ein kleines Zahnteil in der Hand und denkt: Mann oh Mann - so klein und schon sooooo teuer. Für diesen Betrag hätte man in Zentralafrika weit über 1000 Operationen machen können, aber man darf ja nicht vergleichen...


Außerdem bin ich gerade wieder einmal dabei Rechnungen der Uniklinik abzuklären, die ich nicht bezahlen möchte, weil sie während der Velcadestudie angefallen sind. Nun warten wir auf eine Stellungnahme der Studienleiterin und dann sehen wir weiter. Ist abr alles noch sehr freundlich...


Motto:

Alles geht mal zu Ende - auch Urlaub!



Freitag, den 24.7.2009

Morgen habe ich Geburtstag. 7x7 feire ich.
Wenn man mal theologisch die 7 anschaut, dann ist es die göttliche Zahl und 7x7 - mann das wird ein "göttlicher" Geburtstag. Spaß beiseite, man sagt ja, dass alle 7 Jahre etwas Neues passiert im Leben eines Menschen, mal sehen, wie das bei mir ist.
Ich habe etliche Leute eingeladen, vor allem die Crew derer, die beim Backofen mitbauen wollen und einige Nachbarn. Leider gibt es einige Parallelfeiern, aber das ist eben so in der warmen Jahreszeit. Außerdem kenne ich das schon von früher. Da hatte ich ja auch immer in den Sommerferien Geburtstag und da war die Hälfte der Freunde immer im Urlaub.
Ich komme gerade aus der Küche vom Vorbereiten des heutigen Abends. Wocheneschlußandacht mit PIzza beim Pastor anschließend. Heute gibt es wieder einmal wirklich Pizza und einen Salat. DRei Bleche habe ich zu 3/4 vorgebacken, dann dauert es nur ein paar MInuten nachher, wenn wir aus der Kirche kommen und dann ist die Pizza fertig. Es haben sich heute wenige angemeldet, aber dafür gibt es ja morgen für einige noch eine Feier. Ich hoffe ja, dass es schönes Wetter ist und wir draußen sitzen können.

Vorhin habe ich auf der Internetseite des Myelomforums gelesen, dass die Leiterin der Myelomselbsthilfegruppen in Österreich, Elke Weichenberger, mit 36 Jahren am Multiplen Myelom gestorben ist.
Sie hatte versucht, mit einer Fremdspendertransplantation der Krankheit Herr zu werden. Es hat nicht funktioniert.
Es ist schade, wenn diese Krankheit dann doch immer wieder so zuschlägt und gleichzeitig ist es eine Warmung nie zu selbstverständlich damit umzugehen.
Andererseits verstärkt das auch meine Bedenken hinsichtlich der allogenen Transplantation, deren Sterblichkeitsrate trotz aller medizinischen Errungenschaften dann doch sehr hoch ist.

Ansonsten kann ich mich nicht beklagen, so langsam habe ich wieder in den Dienst hiengefunden, viele Tauf- und Traugespräche finden statt und da meine Sekretärin ihren Urlaub hat und erst am 6.8. wieder im Lande ist, bleibt auch noch einiges an Verwaltungsarbeiten an mir hängen. Das schwüle Wetter tut das Seine dazu.
Und nächste Woche geht es definitiv los mit dem Backofenbau, nachdem der Schornsteinfeger grünes Licht gegeben hat. Wir müssen zwar einen Schornstein außen an den Schuppen aufmauern, aber das sollte auch zu machen sein.
Zunächst heißt es, ein wenig Büsche wegzuschneiden, die um den Schuppen stehen, dann das Fundament für den Schornstein, dann das Grundgerüst für den Backofen mauern, und dann Schritt für Schritt nach diversen Trockenphasen weiterbauen. Ich bin gespannt.

Daneben laufen noch diverse Projekte im Antennenbau, zumindest im Kopf und in nicht ganz 2 Wochen geht ziemlich viel wieder los:
Einschulungsgottesdienste, Konfirmandenvorstellung, Konfirmandenunterricht mit 2 Gruppen, Wiedereinweihung zweier renovierter Kirchen etc pp.



Ein Blick in den renovierten Chorraum der Kirche in Deensen

Motto:
Ich möchte auch einmal eine Abfindung in Höhe von 50 Millionen Euro haben, aber leider arbeite ich ja für die Kirche und nicht für Porsche!