Montag, 3.8.2009
Am 25.7. habe ich einen schönen Geburtstag gefeiert. Gut gegessen, gute Gespräche, kühles Bier, was will man mehr. Leichtigkeit des Seins, nenn ich das.
Am Sonntag dann die ersten beiden Gottesdienste nach über einem Monat Urlaub und das gleich mit 2 Taufen.
Bei beiden Familien war ich noch eingeladen nachmittags, spo dass der Sonntag auch gesichert war. Die neue Woche war dann etwas arbeitsreicher, da wir noch Adressen für die sog. Jubelkonfirmationen im September sichten mussten. Listen erstellen, Briefe versenden etc pp. Reine Verwaltungsarbeit aber notwendig, wenn denn Jubiläen wie 50ig, 60ig, 65ig,70ig Jahre Konfirmation gefeiert werden sollen.
Gestern dann, am 2. August ein sehrs chöner open air Gottesdienst auf einem Campingplatz in der Nähe. Gut 100 Personen werden wir wohl gewesen sein und auch der leichte regen am Anfang konnte der guten Laune nichts anhaben. Danach war mit Grill und Kaffee und Kuchen auch für das leibliche Wohl gut gesorgt.
WEnn ich gewusst hätte, dass man von diesem Campingplatz aus den Brocken sehen kann (der Platz heißt nicht von ungefähr "Brockenblick"), hätte ich natürlich mein Handfunkgerät mitgebracht. Das nächste Mal dann halt.
Ansonsten plane ich weiter den Gemeindebackofen. Das Ganze darf ja nicht zu teuer werden und braucht es auch nicht. Wenn man bedenkt wie viel tausend Euro ein kommerzieller Bausatz kostet, dann wollen wir hier doch etwas presiwerter arbeiten und aus Vorhandenem etwas Neues schaffen.
Heute denke ich besonders an einen anderen Myelomerkrankten, der heute nach Heidelberg muss, um eine Zweitmeinung einzuholen.
Ich bin gespannt, was die Ärzte ihm dort sagen werden und hoffe, dass es eine Lösung ist, mit der alle leben können.
Es steht gerade bei aggressiver Progression immer wieder die Frage nach einer allogenen, also Fremdspendertransplantation im Raum, sei es in abgemilderter Form als Mini-Allo oder aber in normaler Art und Weise. Aber es ist halt eine schwierige Entscheidung, solch eine TRansplantation durchführen zu lassen, wenn man das Todesfallrisiko betrachtet und auch die fehlende Garantie, dass es wirklich dauerhaft hilft.
Im Augenblick wird sehr viel über TT3 gesprochen, ein Kürzel für Total Therapie. Man macht 2 autologe und eine allogene Transplantation und dann eine Erhaltungstherapie im Anschluß mit neuen Präparaten. Es scheint etwas zu versprechen, aber wer ist bereit, alle diese Strapazen auf sich zu nehmen, ohne zu wissen, was letztlich dabei herauskommt?
Mein Arzt in Göttingen (Gruß an Dr. J., der hier ja auch manches Mal mitliest) hatte schon vor den autologen Transplantationen mir empfohlen, mich mit der Frage nach der allogenen Transplantation auseinanderzusetzen, um nicht dann, wenn Not am Mann ist, mit dem "Rücken gegen die Wand" zu stehen.
Recht hat er und doch wird die Entscheidung dann erst fallen können, wenn es notwendig werden sollte.
Das Ganze erinnert mich als Pfarrer immer an die Geschichte von Petrus und seinen vollmundigen Versprechnungen Jesus gegenüber: "Ich werde Dich nie verlassen!"--tja und als die Situation da war, geschah doch etwas ganz Anderes.
Ist vielleicht ein blöder Vergleich, aber es zeigt mir, wie wichtig es ist, im Gespräch zu bleiben, mit sich selbst, mit der eigenen Lebensplanung, mit den Ärzten und mit der sich weiterentwickelnden medizinischen Kunst.
Bevor ich zu philosophisch werde, hör ich mal auf.
Nachher geht es noch zu einem Geburtstag, auf den ich mich sehr freue. War heute auch ziemlich fleissig und habe sowohl eine Trauung für Samstag als auch den Einschulungsgottesdienst für die Erstklässler fertig konzipiert. dadurch bleibt dann der Streß Richtung Wochenende aus. Da sowieso noch genug anliegt in dieser Woche, muss ich sehen, dass ich nicht zu viel gegen Ende der Woche erledigen muss.
Insgesamt stehen 6 Gottesdienste von Freitag bis Sonntag auf dem programm, alle anders, alle neu zu gestalten mit anderem Schwerpunkt also nichts, um etwas zweimal zu machen. Na ja!
Solange das nicht in zeitlichen Streß ausartet, ist das ok.
Außerdem bietet mir mein Hobby Amateurfunk immer wieder schöpferische Pausen.
Morgen oder übermorgen kommt meine neue Zwille an.
Nein, ich gehe nicht wieder unter die Lausbuben, sondern ich werde mit dieser Zwille versuchen, meine Funkantenne höher in die vorhandenen Bäume zu schießen. Ein alter Trick und außerdem kommt man ohne große Leitern aus.
Erst zum Beispiel einen durchbohrten Golfball mit Angelschnur in den Baum schießen, dann an die Angelschnur das Tragseil dranbinden, hochziehen und an das Tragseil die eigentliche Antennenlitze und schon kann man vom Boden aus in HÖhen von 10-12 Metern arbeiten, ohne die Erde verlassen zu müssen---zumindest in der Theorie. Wie viele Versuche ich brauchen werde, berichte ich dann beim nächsten Mal, hihi.
Motto:
Auch wer kein Golf spielt braucht manchmal einen Golfball!
Sonntag, den 16.8.2009
Das Ergebnis meiner ersten Zwillenversuche (s.o.) ist verheerend.
Nach dem dritten Schuß (die beiden ersten hatte ich mit kleinen Steinen gemacht), war mein mühsam durchbohrter Golfball an der angeknüpften Angelschnur in weitem Bogen aufs Nachbargrundstück geflogen und ich musste bewundernd feststellen, dass David damals in der Auseinandersetzung mit Goliath wirklich einen Meisterschuß gelandet hatte, wenn man bedenkt, dass ich mit einer Präzisionszwille geschossen habe und er nur eine simple Steinschleuder hatte...
Nun denn, mein Golfball hängt irgendwo in einem hohen Haselnußbusch und ich seh' ihn nicht mehr und krieg ihn auch nicht rausgezogen, weil er sich verhakt hat.
Bei den danach folgenden Schüssen hab ich mir dann trotz vorhandener Winterhandschuhe, derart auf den Daumen geschossen, dass ich mit einem Bluterguß und Schmerzen erst einmal den ganzen Kram in die Ecke geworfen habe und nun wohl doch jemanden von der Feuerwehr brauche, der einfach mit einer Leiter in einen Baum steigt und dann ein Seil etwas höher über einen Ast wirft... Lehrgeld nennt man so etwas wohl.
Die letzten 2 Wochen waren anstrengend, weil so viele unterschiedliche Gottesdienste und Termine anstanden und ich halt doch immer wieder merke, dass die Belastbarkeit nachgelassen hat. Diese Bemerkung habe ich ja schon oft gemacht, aber es ist halt auch ein wiederkehrendes Erleben.
Ich weiß noch nicht, wie es zu ändern ist, weil nicht alle Aktivitäten im Beruf frei verschiebbar sind und deshalb die Belastungen immer unterschiedlich sind.
Irgendwie muss ich auch ein besseres Zeitmanagement hinkriegen, so dass auch mal ein ganzer Tag frei ist, oder ein Wochenende, denn dieses permanente zur Verfügung stehen und die Aufsplitterung des freien Tages durch andere, dienstliche Termine ist nicht gut.
Gestern, am 15.8. war ich mit dabei auf einer schönen Gemeindefahrt mit insgesamt 59 Personen, die uns an den Dümmer-See geführt hat, also meine alte "Wirkungsstätte".
Nach dem Besuch in einer Räucherei und einer wunderschönen Bootsfahrt quer über den See bei frischer Brise, einem leckeren Mittagessen mit Diepholzer Moorschnucke (als ein Auswahlmenü), ging es weiter zur Orchideenzucht, wo wir genau erklärt bekamen, wie man Orchideen hält und behandelt.
Danach zum Kaffeetrinken in eine wunderschönes Kaffee, mit einem traumhaften Park als Außenbereich in Stemshorn und zum Abschluß eine kurze Andacht in "meiner" alten Kirche.
Ein schöner und anstrengender Tag.
Ich habe die vielen älteren MItfahrer bewundert, die das alles mitmachen und aushalten, auch wenn sie mit so manchen gesundheitlichen Belastungen zu kämpfen haben.
Gleich muss ich nun los und zwei Gottesdienste halten, einmal im Dorf Merxhausen, dort findet der erste Gottesdienst nach der umfangreichen Renovierung der kleinen Kapelle statt und danach geht es nach Deensen, wo der gleiche Event angesetzt ist, denn auch dort haben wir ja restaurieren lassen und können nun die Kirche wieder in aller gemalten Schönheit verwenden. Außerdem begrüßen wir die neuen Vorkonfirmanden im Gottesdienst.
Hier noch zwei Bilder aus der renovierten Kapelle in Merxhausen (Bilder H.Simon)


Und last but not least, wieder einige Sätze zum Backofen.
Er ist im Werden. Letzten Mittwoch haben wir die Betonschalung erstellt, die uns morgen hoffentlich standhalten wird, wenn wir die Stützmauern des Sockels für die Bodenplatte des Ofens giessen wollen.
Originell sind die Eisenbewehrungen der Wände. Hier sind neben einigen 6er-Eisen die alten Druckluftleitungen eines Landwirts hineingewandert.
"Lokales Recycling" nenn ich so etwas. Das hilft uns Kosten sparen!
Nach dem morgigen Termin heißt es dann, in den nächsten Tagen die Verschalung für die eigentliche Bodenplatte zu erstellen, deren Eiseninnenleben aus weitere Milchtransportrohrabschnitten und Abschnitten aus einer zerlegten , sehr massiven Kinderschuakel besteht. Richtig schöne, dickwandige Stahlrohre, von denen wir ca. 9-10 Stücke à 1,50 m für die Tragkonstruktion der Platte mit zwei Baustahlmatten zu einem hoffentlich gut bewehrten Tragwerk gestalten wollen.
Schließlich muss die Platte dann später weit über eine Tonne Gewicht aushalten, wenn der Ofen drauf kommt.
Nachdem die Wände eine Woche getrocknet und gehärtet sind, werden wir dann wohl in der nächsten Woche die Platte gießen und nach weiteren 2-3 Tagen beginnen, den Schamottekern aufzumauern.
Aber halt: Zuvor muss noch eine Schablone erstellt werden, auf der man dann die Wölbung im oberen Bereich erstellen kann und die später entweder wieder herausgenommen werden kann, oder aber einfach herausgebrannt wird.
Ihr seht, es ist einiges zu tun und da "Gut Ding ja Weile" haben will, wird es noch einige Wochen dauern, ehe wir das erste Mal anheizen können.
Ich kann nur sagen, dass viele schon sehr neugierig auf die ersten Produkte des Ofens sind.
Tja, und last but ot least, als sei es nur ein Randphänomen des Lebens, muss ich am 18.8. wieder nach Göttingen und hoffe, dass das Multiple Myelom weiterhin gut zurückgedrängt ist, schlummert und auch keine Lust hat, aufzuwachen.
So muss man es ja wohl umschreiben, wenn man die Grundlagen dieser Krankehit kennt.
Negativ eingestellte Menschen reden dann von einer "Zeitbombe", die tickt, aber solche martialischen Bezeichnungen verwende ich nicht. Reden wir lieber vom "Schlafen" und "Ruhigbleiben".
In diesem Sinne, drückt mir die Daumen für den Dienstag. Die ersten Blutergebnisse krieg ich ja schon Dienstag: HB-wert, Leukos und Thrombos, die Eiweißwerte werden länger dauern.
Auch muss der Port wieder gespült werden und ich muss mal mit dem Arzt verhandeln, wann er herausgenommen werden soll. Mit zunehmender Implantationszeit wächst das Risiko von Thrombosen---und das brauch ich nicht.
Ein Mann hier im Dorf, der auch in Chemo ist, kämpft gerade gegen eine solche Thrombose...sehr langwierig und unangenehm.
Motto:
Schlafen ist gesund - sogar für das Multiple Myelom, das man besser nicht weckt!
Donnerstag, den 20.8.2009
Die beste Frage des Arztes am Dienstag in Göttingen war die nach meinem Appetit.
Meine Antwort: "zu gut!" fand er dann ok, denn anscheinend sind abnehmende Patienten nicht gerade das, was man in der Krebstherapie gern hat...nun, denn.
Heute bekam ich nun die Blutwerte und ich kann sagen, dass ich zufrieden bin.
Der HB-Wert liegt weiterhin bei 13,9, also vollkommen im guten Bereich. Auch Leukos und Thrombos sind ok.
Bei den kritischen Eiweißwerten gibt es zwar einige kleinere Abweichung von der Norm, aber sie haben sich seit dem 28.5. im Grunde wieder verbessert.
Der sogenannte Kappa/Lamda Quotient der Leichtketten im Blut ist sogar zurückgegangen, wenngleich er noch etwas ausserhalb des Normalen liegt, aber m.E. nicht sehr stark. Da gibt es andere Quotienten bei anderen Patienten.
Und da man ja nicht nur auf Werte schauen muss, bin ich zufrieden und der Arzt scheint es auch zu sein.
Nächster Termin der Kontrolle im Dezember.
Ansonsten schwitze ich vor mich hin bei 36 Grad. Gott sei Dank ist unser Haus ein altes Lehmgebäude mit annehmbaren Temperaturen in den meisten Zimmern.
Gestern musste ich einen Tag einfach aussetzen, es war die letzten Wochen doch zu viel Aktivität.
Ich habe also "geschwänzt" bei der jährlichen Zusammenkunft der Pastoren und Pastorinnen, aber was nutzt es, wenn ich mich hinschleppe, nur um "lieb Kind" zu sein, wenn danach gar nichts mehr geht.
Nachdem ich abends früh im Bett war, geht es heute wieder sehr gut und ich kann mit neuem Elan an die Arbeit gehen.
Rechtzeitiges Ziehen der Handbremse wirkt nachhaltiger als der Versuch, alles zu schaffen.
Und beim Backofenbau geht es auch weiter.
Gestern konnten wir die Schalung der Grundmauern entfernen, es sieht gut aus und haben angefangen die Verschalung für die Deckplatte zu bauen, das wird dann heute Abend noch zu Ende gebaut und dann kann es Montag Abend mit dem Betonieren weitergehen.
Dabei wird es etwas kritisch, weil wir nicht vergessen dürfen, einige Eisenlaschen einzubauen, an denen man dann später die Türen befestigen kann.
Und die müssen natürlich an der richtigen Stelle sein.
Na, kurz und gut, das Projekt macht weiterhin Spaß, weil man jetzt auch sieht, dass es vorangeht.
Viele sind schon neugierig, wann wir fertig sind.
Und jetzt werde ich gleich den Gemeindebrief setzen müssen und hoffe, dass ich ihn Morgen abschliesse und dann zur Druckerei schicken kann.
Motto:
Weniger ist manchmal mehr!
Sonntag, 23.8.2009
Draußen herrlichstes Wetter, auch wenn die Abende bereits den Herbst ankündigen.
Heute Morgen fiel mir das Aufstehen sehr schwer-- da ich gestern Abend beim traditionellen Kartoffelbraten der hiesigen Feuerwehr eingeladen war. Es gab "Jägerrouladen" (Mett mit Zwiebeln im Feuer gebraten) und Kartoffeln mit Hering (deren Größe eher an Walfische erinnerten und mich dann auch nachts heftig beschäftigt haben -- es kann natürlich auch das gute Bier gewesen sein...).
Wenn man dann um 9.30 Uhr einen Gottesdienst hat, ist das nicht so prall.
Danach war ich bei einem 95igsten Geburtstag und nachher heißt es um 18 Uhr noch einmal hier im Ort Gottesdienst mit einem neu gegründeten Gospelchor. Darauf freue ich mich, auch wenn ich mich dann noch ein drittes Mal heute umziehen muss.
Am Dienstag muss ich eine Beerdigung halten für eine 73j. Frau, die am Plasmozytom gestorben ist. Das ist schon eigenartig, wenn man jemanden beerdigen muss, der diesselbe Krankheit hat wie man selbst.
Auf der einen Seite kann ich das dann natürlich nachvollziehen, auf der anderen ist es ein bißchen wie ein Spiegel, den man vorgehalten bekommt und mich daran erinnert, dass auch die relativ guten Blutwerte einem nicht über die tatsächliche Situation hinwegtäuschen sollen. Nicht zum Angstmachen, sondern um realistisch zu bleiben und jeden Tag neu schätzen zu lernen.
Mit der 95ig jährigen habe ich übrigens eine Abmachung getroffen. Da sie nachts immer Schwierigkeiten hat, länger zu schlafen und immer wieder wach wird, habe ich ihr gesagt, dass ich dafür sehr viel schlafen kann und deshalb ein paar Stunden für sie mitschlafe...hat jedenfalls zum breiten Grinsen beigetragen.
So, nun werde ich noch ein Stündchen die Seele baumeln lassen ehe ich wieder konzentriert sein muss, damit die Begrüßung der neuen Vorkonfirmanden und der gesamte Gottesdienst klappt.
Motto:
Wenn beim 95igsten Geburtstag das Patenkind mit 80 auch noch dabei ist, dann scheint die Welt in ordnung zu sein!