Mit dem Krebs im Gespräch

Montag, 22.2.2010


Nachdem ich schon Nachfragen bekomme, ob es mir gut geht, muss ich doch mal wieder hier einen Beitrag schreiben.

Ja, es geht mir gut, allerdings ist die jetzige Zeit und auch davor recht gut angefüllt mit Arbeit und Verpflichtungen, da schreibe ich dann oft weniger.

Dank aber an alle, die an mich gedacht haben, denn es ist ja wirklich nicht selbstverständlich, dass es gut geht bei unserer Krankheit.


Ein paar Informationen rund um die Krankheit und rund um das aktive Leben.


Am Freitag, den 26.2. werden meine Lebensgefährtin Freya und ich heiraten, zumindest erst einmal standesamtlich.

Die kirchliche Trauung folgt dann im Juli bei hoffentlich schneelosem (hihi!), schöneren Wetter.

Für mich wird es die 2. Ehe sein, aber ich möchte es gerne noch einmal versuchen und auch dadurch der Krankheit zeigen, dass man Zukunft trotz allem offen gestalten kann.


Anfang Februar war ich auf Krankenhausbesuchen in Holzminden und wollte dann auf dem Nachhauseweg beim dortigen Onkologen mal wieder einen Termin zum Spülen des Ports ausmachen. Ich hatte natürlich gedacht, dass das wieder 2 Wochen dauert.

Antwort am Empfang: "Na, dann gehen sie mal gleich rüber auf Station B2 und lassen das machen"...upps, so spontan war schon etwas überraschend.

Gut fand ich dabei, dass ich dadurch innerhalb weniger Minuten vom "besuchenden Pastor" zum Patient geworden bin, was wir einmal zeigt, dass die Lebensabläufe flexibel sind, nicht planbar und dass der eine am einen Tag oben sein kann und am anderen unten.

Dies zu verstehen ist m.E. ein wichtiger Schritt auch zur Akzeptanz von Krankheit.


Nebenbei haben meine zukünftige Frau und ich auch ein wenig Fastnacht/Karneval gefeiert. Mit einigen Arbeitskollegen ging es nach Lüerdissen, ein kleines Dorf ca. 15 km von uns entfernt. Ein richtig schönes Dorfkarnevalsfest mit tollen Tanzeinlagen einer Karnevalsgruppe.

Wir hatten uns standesgemäß als Mönch und Nonne verkleidet und kamen prompt am nächsten Tag in die Zeitung. Umso erstaunlich als das Thema des Abends "Piraten" war. Wir haben uns damit herausgeredet, dass wir halt gekaperte Geistliche waren...hmmmmm.


Das hat natürlich durch das Bild viele zum Lachen gebracht, nach der Devise: "Ist das nicht unser Pastor?" Und da Lachen bekanntlich Balsam für die Seele ist, freut mich das sehr.


Gestern, am 21.2. war ich dann beim Grünkohlessen der Feuerwehr, das in einer ziemlich feuchtfröhlichen Runde bis 18.30 hingezogen wurde. Da ich im Augenblick das Notfallseelsorgehandy unseres Kirchenkreises habe und außerdem Fastenzeit ist, konnte ich mir das alles bei alkoholfreiem Bier ansehen, sehr witzig aber wirklich ein netter Nachmittag.


Es war ein guter Ausgleich für den letzten Donnerstag an dem gleich zwei unserer Nachbarn verstorben sind, innerhalb weniger Stunden. Zwar waren beide krank, aber es ist dann doch für beide Familien alles so plötzlich gekommen, keiner hätte das erwartet.


Ansonsten ist die Krankheit m.E. weiter ruhig, allerdings muss ich wirklich darauf achten, meine Blutdruck- und Wassertabletten nicht zu vergessen, denn das macht sich doch schnell bemerkbar, enn ich mal aus Versehen einen Tag vergesse.

Wenn es wieder schöner wird, muss ich auch langsam beginnen, mich ein bisschen mehr zu bewegen und Sport zu machen. Wahrscheinlich Walking und Fahrradfahren, wobei Letzteres erst langsam möglich sein wird, da es bei uns nach allen Seiten eigentlich nur nach oben oder unten geht, niemals geradeaus. Dann wird es schnell zu anstrengend. Aber Fitness lässt sich ja auch langsam wieder steigern, dann sollte es gehen.


So, nun muss ich in den Nachbarort, eine Hochzeitsanzeige aufgeben. Viele Grüße an alle treuen Leser und Kopf hoch und Nase in den Wind!


Motto: