Donnerstag, 6. Mai 2010
Ein ganz normaler Donnerstag und Gott sei Dank in dieser Woche etwas weniger Termine. Gleich geht es zu einem 85. Geburtstag und nachmittags heißt es, zusammen mit dem Amt- für Bau- und Kunstpflege (das ist das kirchliche Denkmalschutzamt) unsere Kirche hier in heinade begehen. Da sie gerade renoviert wird, müssen wir nun entscheiden, wie die Bemalung aussehen soll. Urspünglich war die Kirche mal mit einer Art Holzfarbe lasiert, dann hat man sie in den 50iger Jahren in Grau und Weiß gestrichen, zusätzlich noch einen roten Fußboden und gelbe Wände (uff!) angebracht. Das Ganze soll jetzt wohl wieder relativ ursprünglich hergestellt werden. Mal sehen, wie es dann aussieht.
Vom 13.-16.Mai geht es wahrscheinlich auf den ökumenischen Kirchentag nach München und zum "Angucken" der beiden Kinder meiner Nichten. Die beiden sind jetzt 1 Jahr alt und seitdem waren wir da nicht mehr hin. Bin ziemlich gespannt.
Kleine Anekdote zur Lebensbewältigung am Rande.
Neulich hatte ich eine Goldene Hochzeit. Das Jubelpaar schenkte mir nach dem Gottesdienst eines der beiden wunderbaren Altargestecke, das jetzt in unserem Wohnzimemr für Glanz sorgt.
Ich habe es meiner Frau schon mal vorweg zur Goldenen Hochzeit überreicht, weil ich die ja sicher nicht erleben werde (ich wäre dann 100...und auch bei allem guten Willen, wird man das als Myelomkranker sicher nicht erreichen). Sie fand die Idee ganz gut und hat sich gefreut. Manch einer versteht diesen Galgenhumor so nicht, aber für mich gehört er einfach als Humor trotz Schwierigkeiten dazu.
Wenn es am 20. Mai nach Göttingen geht, wird sich eh wieder ein kleines mulmiges Gefühl einstellen, denn jede Kontrolluntersuchung kann ja ein wiedererstarktes Myelom hervorbringen. Außerdem muss ich dann beichten, dass ich schon wieder ein paar Kilo zugelegt habe. "Paar" wohlgemerkt klein geschrieben...aber schon beim letzten Mal hat der Arzt mir ja gesagt, dass ihm diese Richtung besser gefiele als abnehmende Menschen. Nun denn...
So, für heute mach ich Schluß. Alles Gute allen Mitkranken und Angehörigen. Und immer noch Humor bewahren, das ist wichtig!
Motto aus dem Kirchenlied
"Himmel, Erde, Luft und Meer, Str. 6, EKG 504):
stellst du dich der Seele dar!
Drücke stets in meinen Sinn,
was du bist und was ich bin.
Freitag, 21.Mai 2010
Das Wichtigste zuerst. Die Blutuntersuchung gestern in Göttingen hat weiterhin stabile Werte erbracht, zumindest bei denen, die ich abgefragt habe. Details kriege ich erst in einiger Zeit. Das Ergebnis des CT, das gestern nach einem Jahr wieder gemacht wurde, um evtl. Knochenveränderungen zu sehen, bekomme ich auch erst später.
Bei den Blutwerten sieht es jetzt so aus (in Klammern die vom letzten Mal)
HB-Wert: 14,7 (14,3)
Leukozyten: 5,4 (5,49)
Thrombozyten: 235 (281)
IGG: 12,6 (13)
IGA: 1,6 (1,69)
IGM: 0,39 (0,4)
Ich habe jetzt keine Einheiten dazu geschrieben. Bei Fragen einfach melden.
Wie man sieht, sind das doch alles sehr kleine Schwankungen, die man gelassen hinnehmen kann. Gut, der IGM Wert liegt etwas außerhalb des Normbereiches, aber doch auch nur sehr knapp. Außerdem wird er erst aussagekräftig, wenn zugleich der IGG-wert steigt.
Jetzt ist in 3 Monaten die nächste Überprüfung angesagt, mehr nicht.
Singen wir also dem Myelom weiterhin ein Schlaflied, damit es nicht aufwacht!
Ansonsten waren wir auf dem ökumenischen Kirchentag, allerdings nur einen ganzen Tag auf dem "Markt der Möglichkeiten", der dort AGORA hieß (was keine "Sau" versteht und eifnach nur Marktplatz heißt) und haben uns die wunderbare Vielfalt kirchlichen Treibens angeschaut, sind an Franz Müntefering vorbeigelaufen, haben Frau Charlotte Knobloch im Gespräch mit Jugendlichen bei der Aktion Sühnezeichen gesehen, Frau Dr. Merkel und Frau Dr. Käßmann draußen gehört wegen Überfüllung des Saales und ansonsten ganz viel normales Kirchenvolk gesehen, auch einige Bekannte getroffen. Den Abschlußgottesdienst haben wir dann bereits auf der Rückfahrt im Auto verfolgt.
A propos Rückfahrt. Die 630 km haben uns auf dem Hinweg 6,5 Stunden gekostet, auf dem Rückweg geschlagene 2 Stunden mehr, weil ganz Deutschland auf der Autobahn war.
In Kassel kamen wir 1,5 h in den Stau und dann sind wir abgefahren, nachdem man uns bei Göttingen 18km Stau vorausgesagt hatte. Die Fahrt entlang der Weser war dann umso schöner und vollkommen autofrei. Manchmal hat man sich gefragt, ob autofreier Sonntag war, so wenige waren unterwegs auf dieser Nebenstrecke. Manchmal sollte man halt doch abfahren.
So, das war das Neueste! Draußen scheint endlich mal die Sonne und wir hoffen, dass es an Pfingsten wirklich mal wärmer wird. Ansonsten läuft hier nämlich immer noch die Heizung, vor allem abends.
Motto (frei nach Goethes Faust):
Blut ist ein ganz besondrer Saft!
Dienstag, 25.5.2010
Pfingsten ist vorbei und der normale Alltag hat mich wieder. Ich freue mich nach wie vor über die guten Blutwerte und hoffe, dass es anderswo im Blutbild und beim CT auch keine Überraschungen mehr gibt.
Gestern Abend waren wir hier im Dorf noch bei einem Ehepaar zu besuch, bei denen der Mann ein hervorragender Holzbearbaiter ist und viele schöne, auch gedrechselte Holzgegenstände herstellt. Neulich hatte ich ihn mal angesprochen, ob er nicht ein Schild für unser Backhaus machen könnte. Und gesagt getan, gestern durften wir es das erste Mal sehen.
Ein ander Mal werden wir es noch anbringen und gehörig befeiern. Schön, wenn viele an dem Gemeinschaftswerk Backofen mitwirken mit den unterschiedlichsten Gaben. Das Schild passt hervorragend zu der ebenfalls von einem ehmaligen Tischler gespendeten Tür, beide sind aus Douglasie, einem sehr haltbaren, wetterfesten Holz.
Sobald ich die Bilder etwas verkleinert habe, werde ich sie hier einmal einstellen.
Einfach weitermachen!
Samstag, 29.5.2010
Da denkt man, es gehe normal weiter, bis einen ein Anruf aus Göttingen aufschreckt. Im CT hat man eine Läsion im Halswirbelbereich festgestellt und es muss nun mit Hilfe einer Kernspintomographie genauer geschaut werden. Termin ist der 23.6. - da hat man dann noch richtig schön Zeit, sich alles Mögliche gedanklich vorzustellen.
Nein, keine Angst, ich werde deshalb nicht hektisch, aber es zeigt halt, dass das Myelom immer wieder Überraschungen bereit hat.
Da es im Halswirblebereich bei Einbrüchen von Wirbelkörpern schnell auch zu Rückenmarksstörungen bzw Nervenschäden kommen kann, klärt man das tunlichts ab.
Diesmal komme ich auch um das KOntrastmittel Gadolinum nicht herum. In Abwägung von Nutzen und und Nachteil optiert der Arzt doch für das Kontrastmittel.
Gadolinum steht im Verdacht, evtl. die Myelomaktivität anzuregen, was man eigentlich nicht will.
Trotzdem werden wir es wohl verwenden. Mal gucken, was rauskommt.
Wäre schön, wenn viele an diesen 23.6. mit denken würden.
Draußen strahlt die Sonne, schön für ein brautpaar, das heute Nachmittag unm 16 Uhr in einer meiner Kirchen TRAUFE (Trauung und Taufe) feiert.
Motto:
Es gibt ein Leben nach LENA