Mit dem Krebs im Gespräch

Dienstag, 3.8.2010


"Und wenn morgen die Welt untergehen würde, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen!" - dieses Luther zugeschriebene Sprichwort möcht ich einfach mal anwenden auf unsere Hochzeitsfeier, die wir am 16.7. gefeiert haben.

Für mich ist es ein Zeichen, dass "normales" Leben weitergeht, auch wenn im Hintergrund das MM vorhanden ist.

Ich kann nur alle ermuntern, die damit umgehen, dem Leben immer den Vorrang einzuräumen und nicht den Gedanken an Schwierigkeiten und Verschlechterungen nachzuhängen.

Leicht gesagt, aber das ist halt die Leistung, die wir als Kranke vollbringen müssen, manchmal bis an die Grenzen der Belastbarkeit. Das kann kaum ein Gesunder nachvollziehen, der sich darum keine Gedanken macht.


Ich habe wegen der Feier und meines Urlaubs lange nichts geschrieben, denn es war genug zu tun. Herausgekommen ist eine wunderbare Feier im Pfarrgarten mit ca. 70 Gästen, einem schönen Zelt der Feuerwehr mit selbstgebautem Tanzboden (gut, ein wenig abschüssig, aber immerhin) und einem phänomänalen Bierwagen unter einer uralten Lärche, der uns vor dem Verdursten bewahrt hat.

Die Essensvorbereitungen gingen über mehrere Tage, die letzten beiden Tage waren dann die arbeitsreichsten.

Ich habe das gesamte Essen im neuen Backofen hergestellt und auch noch bis ca. 1,5 Stunden vor der Trauung selber dran mitgewirkt. Geht alles, wenn man die Sache etwas weniger verkrampft und perfektionistisch sieht.

Nachdem in der Kirche rund 220 Personen da waren, sind wir danach mit den 70 geladenen Gästen bei herrlichstem Sommerwetter, ohne Frackzwang, in den Pfarrgarten gegangen und ich denke, der Letzte ist morgens um 5 Uhr nach Hause.

Am nächsten Tag kam abends nochmal die Feuerwehr, aber da war es mit mir dann um 20 Uhr zu Ende, da hat das MM doch gesagt: Jetzt ist Deine Grenze erreicht. NUn denn, ich habe die Feier meiner Frau überlassen und bin einfach ins Bett ...vielleicht nicht die feine Art, aber in so einem Fall kümmert mich das dann wenig. Habe lange geschlafen und war am nächsten Tag wieder einigermaßen fit zum Aufräumen, das sich dann auch über 3 Tage hinzog bis das Zelt und auch der Bierwagen wieder weg waren und nun der Pfarrgarten wieder in seiner schlichten Weite vor uns liegt.

Alles in allem eine sehr schöne Feier.

Wir haben jetzt beschlossen, nachdem ich noch eine Woche später 50 wurde, dass wir von nun an nur noch auf Feiern gehen, denn wir haben genügend Feiern in diesem Jahr ausgerichtet.


Nun sind es fast 4 Jahre, dass ich die Diagnose bekommen habe und ich bin froh, dass es so ist, wie es jetzt ist.


So langsam beginnt nun auch wieder der Alltag bei der Arbeit. Am Freitag und Samstag habe ich zwei Einschulungsgottesdienste und dann sollte alles wieder in die normalen Bahnen kommen.

Und am 19.8. geht es auch schon wieder zur Kontrolle nach Göttingen. Bis dahin...weitermachen!


Motto frei nach dem Karneval:

"Mer lasse uns das Singe net verbiete,...



Freitag, 27.8.2010


Gerade noch geschafft, im August, etwas zu schreiben.

Am 19.8. war in Göttingen KOntrolluntersuchung angesagt. Die Werte bleiben nach wie vor auf einem guten Niveau. Die Schwankungsbreite ist gering und so weit ich es beurteilen kann, sind die Abweichungen minimal. Also weiterhin RUhe, was sher schön ist. IN drei MOnaten trete ich dann wieder an.

Auf die Frage, ob ich nicht in Holzminden die Kontrolle machen lassen wollte, habe ich geantwortet: "Never change a winning team!" - ich bin in Göttingen zufrienden, komme schnell dran und außerdem haben die Ärzte mich dort die letzten jahr begleitet und wissen etwas mit mir anzufangen. Das werde ich bei einem 3-Monats-Rhythmus nicht ändern. Wenn es jetzt jede Woche wäre, wäre das etwas Anderes.


Ansonsten war ich in Erfurt (Pastorenkonvent --- ich sag immer "Klassenfahrt") und nach der Rückkehr musste ich mich gleich flach legen, hatte mir wohl eine Grippe aufgehalst. Jedenfalls ging es mit bis zu 39,4 Grad Fieber ins Bett. Sofort flachlegen und viel ausruhen und schlafen war angesagt. Durch Fiebersenkung war das Ganze erträglich, aber es sind doch 4 Tage draus geworden. Seit Montag 24.8. bin ich wieder im Dienst, noch etwas schwach, aber ansonsten scheint es zu gehen.


Heute Abend gibt es wieder Pizza beim Pastor aus dem Holzbackofen, den ich bald anheizen muss, weil er lange nicht an war und dann immer ein Stündchen länger braucht, bis er auf Betriebstemperatur ist.

Es gibt Calzone-Pizza und Salat. Das ist zwar vorbereitungsintensiver als normale Pizza, aber auch mal eine Variante.


So, nun seid Ihr ein wenig auf dem laufenden. Viele Grüße an alle, die ebenfalls mit dem MM kämpfen. Lasst Euch nicht unterkriegen!


Motto:

Was sitzt im Wald und macht NUK,NUK?


(ein Kuckuck mit Hasenscharte)